fbpx
Drei gute Gründe gegen Musikwunschzettel

Drei gute Gründe gegen Musikwunschzettel

„Welche Musik sollte der DJ an eurer Hochzeit spielen? Ladet euch die Musikwunschkarte herunter und lasst eure Gäste entscheiden!“

Hach, wer liebt ihn nicht, den guten alten Musikwunschzettel? Auf vielen Hochzeiten, Geburtstagen oder gar Firmenveranstaltungen liegt er auf Tischen aus, um mit Musikwünschen ausgefüllt zu werden. In manchen Fällen liegt er gar schon der Einladung bei oder existiert als Online-Variante auf speziell eingerichteten Internetseiten. Auch so mancher DJ-Kollege schwört darauf. Ich werde immer wieder gefragt, was ich von Wunschzetteln halte. Deshalb möchte ich heute ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Der Grundgedanke hinter dem Musikwunschzettel ist absolut nachvollziehbar: Gäste sollen ihre Musikwünsche einbringen können, dadurch werden sie zum tanzen animiert und die Party wird ein Erfolg. DJs oder Bands sind keine Hellseher und für so manchen Gast ist die Hürde einen Wunsch zu äußern vermutlich geringer, wenn er diesen aufschreiben kann.

Wo liegt also das Problem?

Musikwunsch

1. Wenige Gäste bestimmen die Playlist für alle

Meiner Erfahrung nach führen solche Zettel dazu, dass sich einzelne Gäste besonders stark mit Wünschen einbringen, während der Großteil der Gäste – womöglich gerade solche, die gerne tanzen möchten – weniger Mitteilungsbedürfnis hat oder schlichtweg weniger Einfälle. Bei den aufgeschriebenen Wünschen kann dann meist noch differenziert werden zwischen Wünschen von selbsternannten Musikexperten („Lied 4 von der Limited Edition Live Konzert Vinyl der Stones von 1972“), die darauf abzielen, den DJ zu testen, Quatsch-Wünschen („Arschfi**song von Sido“) und Wünschen, die man dann auch tatsächlich spielen kann.
Natürlich passiert das auch bei mündlichen Wünschen, jedoch ist die Hürde höher und man kann absolut unpassende Wünsche charmant weglächeln oder eine Alternative anbieten.
Wenn der Deutsche jedoch einmal etwas aufgeschrieben hat, dann pocht er meist auch auf Erfüllung seines Wunsches. Während ich gerne so vielen Gästen wie möglich Wünsche erfülle, bin ich jedoch auch der allgemeinen Stimmung gegenüber verpflichtet.

2. Zettel können die Optik eurer Feier stören

Stellt euch vor, ihr seid Monate vor eurer Hochzeit auf der Suche nach Deko-Ideen auf Pinterest und Instagram fündig geworden, tauscht euch mit Freunden und Floristen aus, um dann am Ende eine traumhafte Tischdeko zu haben. Dann kommt der DJ und legt seine selbst ausgeschnittenen Wunschzettel in 90er Jahre Optik auf den sorgsam dekorierten Tisch, am besten noch mit Werbung darauf, Schalplatten-Microsoft-Word-Piktogramm und einer bunten Auswahl an Werbegeschenk Kugelschreibern. Der DJ Tisch profitiert ebenfalls eher weniger vom Zettelsalat und der DJ selbst hat weniger Zeit, die Gäste zu beobachten, da er deren Wünsche lesen muss.

3. Die Wünsche kommen zum falschen Zeitpunkt

In verschiedenen Situationen haben Menschen verschiedene Musikwünsche. Während man zuhause auf dem Sofa gerne die „Sonntagmorgen“ Spotify Playlist hört und damit entspannt den Tag startet, können die Lieder daraus auf der Party absolute Stimmungstöter sein. Wenn Wunschzettel vor der eigentlichen Party ausgefüllt werden, sei es zuhause oder neben dem Abendessen auf der Feier, dann stimmt der Kontext nicht. Kaum jemand kann um 20 Uhr reflektieren, zu welchem Lied er um 2 Uhr morgens mitsingen wird. Wenn der DJ mit dem Abspielen von Titeln der Wunschliste vom frühen Abend beschäftigt ist, kann er entsprechend schlechter auf das eingehen, was gerade auf der Tanzfläche passiert. Gehen wir von 50 Gästen aus mal drei Wünsche, so ergibt dies gut und gerne zwischen 120 und 150 unterschiedliche Titel mit einer Gesamtlänge von über sechs Stunden. Viel Zeit bleibt da bei den meisten Partys nicht mehr übrig.

Tobi Merk 3

Wie können die Wünsche der Gäste besser in den Abend integriert werden?

Auf guten Feiern entwickeln sich Musik und Gästewünsche in einer gemeinsamen Dynamik. Spiele ich also zu Beginn des Abends Musik, die eher entspannt ist, wünschen sich Gäste auch eher ruhige Titel, während die Energie der gewünschten Titel zur Partytime auch entsprechend hoch ist. Gäste lassen sich bei ihren Wünschen von der aktuell gespielten Musik inspirieren und der DJ spielt aktuelle Musik auch anhand von Gästewünschen.
Damit sich die Leute überhaupt erst etwas wünschen, ermutige ich sie zu Beginn des Abend am Mikrofon dazu.

Bei Hochzeiten bekommt das Paar vorab von mir einen Fragebogen, auf dem sie Lieblingstitel aber auch No-Gos bestimmen können. Alles andere ergibt sich spontan am Abend und das ist auch gut so :-).

Comments are closed.