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Ist ein Wedding Planner nur etwas für Reiche? Ein ehrliches Interview mit Hochzeitsplanerin Mara Notz

Ist ein Wedding Planner nur etwas für Reiche? Ein ehrliches Interview mit Hochzeitsplanerin Mara Notz

Ich oute mich. Wenn ich die letzten Jahre an Wedding Planner gedachte habe, dann zumeist an mittelmäßige Filme mit Jennifer Lopez oder den schrillen „Froonck“ aus dem Fernsehprogramm. In meiner Vorstellung konnten sich nur betuchte Menschen einen Hochzeitsplaner leisten und der Sinn und Zweck erschloss sich mir nicht ganz.

2016 habe ich meine Meinung grundlegend geändert, als ich das Vergnügen hatte, direkt mit einer Wedding Plannerin zusammenzuarbeiten. In meinem Fall war es Mara Notz, die ein Paar an ihrem unglaublich schönen Hochzeitstag begleitete und dabei mich als DJ, wie auch alle anderen Dienstleister, auf angenehme Art koordinierte. Aus Neugier habe ich sie um ein Interview gebeten, welches euch nicht vorenthalten werden soll:


Mara, wie kamst du dazu Wedding Plannerin zu werden und was kann man sich darunter vorstellen?

Ich bin seit acht Jahren professionelle Sängerin und habe auch häufig auf Hochzeiten gesungen. Bereits mit 14 Jahren durfte ich das erste Mal auf einer Hochzeit auftreten. Anschließend kamen viele Auftritte auf kleinen und großen Bühnen mit unterschiedlichen Bands. Der Spaß an der Musik hat schlussendlich auch dazu geführt, dass ich damals mein Studium abgebrochen und bei Popstars teilgenommen habe, wo ich es tatsächlich auch bis ins Finale geschafft habe.

Irgendwann kam mir die Idee, Wedding Planerin zu werden, weil ich gesehen habe, wie überfordert oft die Brautpaare mit der ganzen Planung einer Hochzeit sind. Zudem ist es so, dass viele Gäste, insbesondere die Trauzeugen oder Eltern so sehr in die Planung involviert sind, dass sie die Hochzeit gar nicht richtig genießen können. Und da ich gerne plane und kreativ bin, wollte ich diese Arbeit gerne übernehmen. Als ich vor einigen Jahren die erste Anfrage für einen Job als Wedding Planerin bekam, hat mich vor allem die Dankbarkeit der Hochzeitspaare begeistert, sodass ich das Hochzeitsgeschäft zu meinem festen Job machen wollte. Aktuell arbeite ich als Wedding Planerin, Hochzeitssängerin und freie Traurednerin.

Wozu braucht man eine Wedding Plannerin, bei welchen Punkten unterstützt du zukünftige Hochzeitspaare?

Im Prinzip bin ich das Mädchen für alles. Von der Location-Suche bis zur Buchung der Hochzeitsreise kümmere ich mich um all das, was das Brautpaar vergessen könnte.

Als Wedding Planerin besteht meine Hauptaufgabe darin, den Stress der Paare möglichst zu minimieren. Stress, kann in der Hochzeitsvorbereitung zu Beziehungsproblemen führen und den Hochzeitstag negativ beeinflussen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die von mir betreuten Paare gerne auf mich verlassen und wirklich den Augenblick genießen können.

Wie kann man sich auf den Beruf vorbereiten? Was muss man können und wissen, um erfolgreich zu sein?

Im Grunde ist das ein Learning by Doing. Ich war bereits auf vielen Hochzeiten und studiere Zeitschriften und Blogs zum Thema Hochzeit, die Arbeit anderer Wedding Planner und deren Besonderheiten. So lernt man No Gos und Gos sowie Trends kennen. Auch im direkten Kontakt mit z.B. Locations oder Caterern eignet man sich die jeweiligen Vor- und Nachteile an.

 

„Wenn der letzte Gast seine Schuhe auf der Tanzfläche auszieht und einfach nur Spaß hat, wenn die Braut-Oma zu mir kommt und sagt ‚Mädsche, haste jut gemacht‘, dann sehe ich meinen Job als beendet an.“

 

Was macht dir an der Tätigkeit am meisten Spaß und was weniger?

Es gibt viele Herausforderungen aber auch vieles, was mir Spaß macht. Anstrengend ist es z.B. dann, wenn man keine gute Band oder keinen guten Hochzeits-DJ findet oder auch wenn das Catering nicht so ist, wie ich es gerne hätte.

Ich habe keinen 0815-Job und das ist für mich das Schöne. Man hat jedes Mal ein anderes Paar, jedes Mal eine individuelle Planung. Es macht mir vor allem auch Spaß, das Endprodukt zu sehen und einen wunderschönen Tag mit dem Brautpaar zu verbringen.

Wenn der letzte Gast seine Schuhe auf der Tanzfläche auszieht und einfach nur Spaß hat, wenn die Braut-Oma zu mir kommt und sagt „Mädsche, haste jut gemacht“, dann sehe ich meinen Job als beendet an.

hochzeitstisch

Wo fängt man an eine Hochzeit zu planen und wo hört man auf? Wie viel Planung braucht man?

Zuerst gilt es, die richtige Location für das Paar zu finden. Mit der Location ergibt sich alles andere, wie z.B. der Bedarf an Inventar, die Save-the-Date- und Einladungskarten, das Thema der Hochzeit etc. Die nächsten wichtigen Punkte sind Catering, Fotograf und Musik. Viele Dienstleister sind schon lange im Voraus ausgebucht. Anschließend kommen Details wie die Dekoration oder die Wahl eines Floristen.
Natürlich lege ich auch Wert darauf, was das Paar zuerst erledigen möchte. Zuletzt machen wir uns dann an die Sitzordnung. „Kann man Tante Irene neben Onkel Horst setzen, bzw. muss man Tante Irene überhaupt einladen?“.

Wenn man das Paar motiviert und sagt „schaut mal, was wir alles schon geschafft haben“, dann fällt die Planung auch deutlich leichter.

Ist eine Organisation bis ins kleinste Detail immer der beste Weg oder kann man es auch übertreiben?

Man kann natürlich auch zu viel wollen. Das, was meiner Meinung nach nicht funktioniert, ist ein exakter Zeitplan. Ich bin kein Freund von einer komplett zeitlich durchgestalteten Hochzeit. Womöglich benötigt der Fotograf etwas länger oder der Caterer steht im Stau. Der grobe Ablauf sollte zwar stehen, jedoch sollte man nicht zu viele Punkte unterbringen wollen und genügend Puffer berechnen. Andererseits dürfen die zeitlichen Lücken nicht zu groß sein, damit sich die Gäste nicht langweilen. Ich versuche immer, einen Plan B im Hinterkopf zu haben. Flexible Programmpunkte wie ein Hochzeitsbuch oder eine Fotobox sind dabei sehr nützlich.

 

hochzeitsplaner

Du bist Musikerin und standest schon auf vielen Bühnen. Welche Rolle spielt die richtige Musik bei der Hochzeitsfeier?

Eine Hochzeit steht und fällt mit gutem Essen und guter Musik. Man möchte ausgelassen feiern, spätestens dann, wenn der offizielle Teil vorbei ist. Musik ist meiner Meinung nach sehr wichtig und deshalb versuche ich meine Paare immer davon zu überzeugen, dort nicht zu sparen. Es gibt enorme Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern in diesem Bereich. Nichts ist schlimmer, als zu hören „die Sängerin ist ja furchtbar“ oder „der DJ kann ja mal gar nichts“. Schlimm ist, dass solche Dienstleister noch immer gebucht werden. Spätestens bei der Hochzeitsfeier weiß das Paar dann, dass sie wirklich am falschen Ende gespart haben.

 

„In den letzten Jahren ist alles, was mit dem Thema Hochzeit zu tun hat, eher teurer geworden.“

 

Thema Budget: Was muss ich beachten, damit ich als Hochzeitspaar keine bösen Überraschungen erlebe?

In den letzten Jahren ist alles, was mit dem Thema Hochzeit zu tun hat, eher teurer geworden. Die Kleider sind hochwertiger, die Gäste haben einen höheren Anspruch an die Feier. Auch das Essen ist teurer geworden. Aktuell heiraten wieder mehr Paare als die Jahre zuvor und dementsprechend treibt vielerorts die Nachfrage den Preis tendenziell nach oben. Man kann jedoch auch mit kleinem Budget eine schöne Hochzeit haben. Wenn ich jedoch nur 1.000€ für Musik habe, kann ich keine 7-Mann-Band auf der Bühne erwarten. Man sollte realistisch sein und gut kalkulieren.

Gibt es Tricks, in welchen Bereichen am besten gespart werden kann?

Einige Paare versuchen zuerst beim Fotografen zu sparen. Fast jeder hat einen Verwandten oder Bekannten mit einer Spiegelreflexkamera, der sich dann als Hochzeitsfotograf versucht. Wenn man sich  im Nachhinein aber die Bilder ansieht, so kommt meist die große Enttäuschung. Bilder bleiben für die Ewigkeit, an dieser Stelle sollte man nicht sparen und auf Qualität achten. Sinnvoller kann man in anderen Bereichen sparen:

  • Kleid: Ein guter Tipp sind Second-Hand-Brautkleider. Diese sind gereinigt und wurden von der Braut zuvor nur einen Tag getragen. Beim Kauf spart man sich viel Geld. Alternativ kann man Brautkleider oder Anzüge inzwischen auch ausleihen, sofern man es nicht besitzen möchte.
  • Kuchen: Auch beim Kuchenbuffet kann man sparen, indem man Verwandte und Freunde bittet, etwas beizusteuern. Es reicht, wenn man die Hochzeitstorte beim Konditor bestellt und meist freut sich die Tante, wenn sie einen Kuchen backen darf.
  • Location: Ein Schloss oder eine Burg kosten natürlich mehr als eine kleine Halle. Während man für das eine nur wenige hundert Euro aufwenden muss, kann das andere durchaus auch 5.000 € kosten. Da die Location meist den größten Posten darstellt, sollte diese dem Budget der Hochzeit angepasst werden.
  • Essen: Ein Buffet kostet umgerechnet weniger als Speisen à la carte. Zudem erhält der Gast beim Buffet eine gewisse Auswahl an Gerichten, aus denen er selbst wählen kann. Hier kann man Geld sparen, ohne einen Nachteil für die Gäste zu haben.

Ist ein Wedding Planner nur etwas für Reiche?

Nein, ist er nicht. Es gibt Paare, die planen eine Hochzeit im Wert eines Kleinwagens. Aber es gibt auch diejenigen, die deutlich weniger ausgeben. Ich mache mein Honorar abhängig vom zur Verfügung stehenden Budget. Ich habe keine starren Preise, dies wäre auch aus der Luft gegriffen. Bei einer großen Hochzeit mit hohem Budget und zum Beispiel 200 Gästen ist der Aufwand  höher. Das fängt bei der Findung einer geeigneten Location an und zieht sich vom Essen bis in alle Details durch. Bei geringem Budget verringert sich tendenziell auch die Anzahl an Gästen, sodass dennoch ein gewisses Niveau gehalten werden kann. Da meine Kosten anteilig meist gleich sind, bleibt der Aufwand entsprechend überschaubar.

Zusätzlich hängt der Preis auch vom Grad meiner Unterstützung ab. Manche Paare fangen quasi bei null an und überlassen mir die komplette Organisation ihrer Hochzeit. Bei anderen Hochzeiten organisiere ich nur Teilbereiche wie die Suche nach passenden Bands oder DJs.

Viele Paare tun sich mit der Gästeliste schwer. Wie viele Leute lade ich ein, wo ziehe ich die Grenze? Wie hilfst du Paaren dabei und wie kann man Streit verhindern?

Die Zusammenstellung der Gästeliste birgt tatsächlich das größte Konfliktrisiko in der Hochzeitsvorbereitung. Häufig denken die Männer „lass uns doch einfach alle einladen“, wohingegen die Frauen eher den Wunsch haben, die Feier kleiner aber feiner zu gestalten.

Dazwischen versuche ich zu vermitteln. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man nicht jeden einladen muss, nur um es jedem Recht zu machen. Es geht einzig und allein darum, dem Brautpaar einen schönen Tag zu bescheren und entsprechend sollte man seine Gäste auch auswählen.

Welche abschließenden Tipps möchtest du zukünftigen Hochzeitspaaren mit auf den Weg geben?

  • Fangt frühzeitig an zu planen.
  • Nehmt so viel Hilfe an wie möglich, z.B. von Trauzeugen und Freunden oder sogar einer Wedding Plannerin.
  • Freut euch auf den Tag und genießt ihn, denn er geht leider meist viel zu schnell vorbei!

Vielen Dank für das interessante Interview!

mara-notz

Mara Notz ist primär tätig im Raum Bodensee, Stuttgart, Ulm und München aber auch auf den Inseln Mallorca, Gran Canaria und Teneriffa.
http://www.diehochzeitsplanerin.info/

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